Bd. I · Mai MMXXVI

Barometer Magazin für Wetter, private Wetterstationen und Klima-Beobachtung
← Magazin 24. Mai 2026
Wetterstation · 11 min

Davis Vantage Pro 2 vs. Ecowitt WS-90 — die zwei Säulen der Hobby-Wetterstation 2026

Der US-Profi-Standard aus Hayward trifft den chinesischen Newcomer aus Shenzhen. Was die beiden Stationen 2026 wirklich unterscheidet, wo der Preisaufschlag von 800 EUR sich rechnet und wann der Selbstbau mit Raspberry Pi und BME280 die ehrlichere Antwort ist.

Wer 2026 eine private Wetterstation kauft, landet in der mittleren Preisklasse fast unweigerlich bei einem von zwei Geräten. Auf der einen Seite die Davis Vantage Pro 2 — ein US-amerikanisches Produkt der Firma Davis Instruments aus Hayward, Kalifornien, seit der zweiten Generation im Jahr 2005 praktisch unverändert auf dem Markt, in der Hobby- und semiprofessionellen Szene das, was man den Goldstandard nennt. Auf der anderen Seite die Ecowitt WS-90, ein Gerät der Firma Fine Offset aus Shenzhen, seit 2022 in der aktuellen Generation verfügbar, etwa zu einem Fünftel des Preises. Zwischen diesen beiden Stationen entscheidet sich für die meisten Käufer der private Wetterstandort.

Die Entscheidung ist keine Marketingfrage. Sie ist eine Frage darüber, welche Mess-Disziplin im jeweiligen Beobachtungs-Vorhaben wirklich zählt — und welche Genauigkeits-Klasse man dafür braucht.

Davis Vantage Pro 2 — die Architektur eines Profi-Geräts

Die Davis Vantage Pro 2 wird in zwei Bauformen angeboten: kabelgebunden und kabellos. Beide Varianten verwenden denselben integrierten Sensor-Suite (ISS), in dem Regenwippe, Anemometer-Anschluss, Temperatur- und Feuchtesensor zusammengeführt sind. Die Funkvariante überträgt im 868-MHz-ISM-Band (in Europa; in den USA 915 MHz) mit einer Reichweite von bis zu 300 Metern unter Sichtbedingungen.

Der entscheidende konstruktive Punkt ist der Strahlungsschutz. Davis verwendet einen passiven Schutz mit zwölf gestapelten Lamellen (Standard) oder den aktiven FARS (Fan Aspirated Radiation Shield) mit Lüfter, der das gemessene Lufpaket aktiv um den Sensor herumzieht. Der Unterschied ist messtechnisch erheblich: Unter starker Sonneneinstrahlung weicht ein passiver Strahlungsschutz auch bei guter Konstruktion regelmäßig um 1,5 bis 2,5 K nach oben von der wahren Lufttemperatur ab. Der FARS reduziert diesen Fehler auf unter 0,3 K. Wer Temperaturmessungen für klimatologische Vergleiche nutzt — also Anschluss an die DWD-Normwerte 1991–2020 sucht —, kommt am FARS nicht vorbei.

Die Sensorik selbst hat eine Hersteller-Angabe von ±0,5 K für die Temperatur und ±3 Prozent für die relative Feuchte. In der Praxis ist die Temperatur-Drift über drei bis fünf Jahre messbar, aber gering. Die Regenwippe folgt dem WMO-Standard von 0,2 mm pro Wippung (in der metrischen Variante) und ist nach unserer Erfahrung — und der vieler vergleichbarer privater Betreiber — bei korrekter Aufstellung mit einer Abweichung von unter 3 Prozent gegenüber der nächstgelegenen DWD-Station ausgestattet. Das Anemometer ist ein klassisches Schalenkreuz, das in der Reibung über die Jahre nachlässt — empfohlener Tausch der Lager nach etwa fünf Jahren intensiver Nutzung.

Der Anschaffungspreis liegt 2026 bei rund 1.200 EUR für die kabellose Standardversion mit passivem Strahlungsschutz und etwa 1.550 EUR mit FARS. Die Konsole — das hauseigene Display und Speichergerät — ist im Preis enthalten und ist 2026 das technologische Sorgenkind: Das Bedienkonzept ist seit zwei Jahrzehnten praktisch unverändert, das LCD-Display nicht hintergrundbeleuchtet im Sinne der heutigen Erwartungen, die WLAN- und Internet-Anbindung erfolgt über das Add-on WeatherLink Live (rund 240 EUR), das die Daten zur WeatherLink-Cloud sendet und über offene Schnittstellen an Weather Underground, CWOP, PWSweather oder Awekas weiterleitet.

Ecowitt WS-90 — der Newcomer mit Tropfen-Sensor

Die Ecowitt WS-90 ist ein 2022 eingeführtes integriertes Gerät, das Temperatur, Feuchte, Wind, Niederschlag und Sonneneinstrahlung in einer einzigen Einheit zusammenfasst. Der bemerkenswerte konstruktive Schritt: Die Regenmessung erfolgt nicht über eine Regenwippe, sondern über einen piezoelektrischen Tropfen-Sensor. Die einzelnen Wassertropfen, die auf eine flache Sensorplatte treffen, werden über das akustisch-mechanische Signal detektiert und in eine Niederschlagsrate umgerechnet.

Diese Methode hat zwei Vorteile: Es gibt keine beweglichen Teile in der Regenmessung — die klassische Wartungsschwachstelle der Regenwippe entfällt. Und die zeitliche Auflösung ist deutlich besser als bei der Wippen-Mechanik. Die Methode hat aber auch Schwächen: Sehr feiner Sprühregen und Schneefall werden vom Tropfen-Sensor schlechter detektiert als von einer aufgeheizten Wippe, und die Kalibrierung gegen die WMO-Standardmessung (Hellmann-Pluviometer) ist konstruktiv schwieriger.

Der Wind wird über ein Ultraschall-Anemometer gemessen — kein Schalenkreuz, kein Lager, das verschleißt. Das ist der zweite konstruktive Sprung gegenüber der Davis: keine bewegten Teile am Wind-Messpunkt. Die Hersteller-Angabe lautet ±0,5 m/s bzw. ±5 Prozent, was unter Praxisbedingungen mit den marktüblichen Schalenkreuz-Anemometern konkurrenzfähig ist, solange die Aufstellung den 10-Meter-Standard der WMO einhält.

Der Strahlungsschutz ist konstruktiv schwächer als der FARS der Davis. Die WS-90 verwendet einen passiven Plastik-Lamellenschutz, der bei intensiver Sonneneinstrahlung im Juli und August regelmäßig 1 bis 2 K Aufheizung gegenüber der wahren Lufttemperatur produziert. Wer die Station unter einem schattenspendenden Baum oder mit Nord-Ausrichtung in einer Mauerseite aufstellt, mildert das Problem deutlich; wer sie auf einem ungeschützten Süd-Mast aufhängt, sieht im Sommer-Mittag die typische 2-K-Überhöhung.

Der Preis liegt 2026 bei etwa 250 EUR für die WS-90 inklusive WLAN-Gateway. Die Cloud-Anbindung über Ecowitt.net ist im Lieferumfang enthalten — die Daten werden in der Standard-Konfiguration zur Ecowitt-eigenen Cloud gesendet und können von dort an Weather Underground, Awekas oder PWSweather weitergeleitet werden. Wer datenschutzbewusst lokal speichern will, kann das WLAN-Gateway in den lokalen MQTT-Modus schalten und die Daten an ein eigenes Home-Assistant- oder InfluxDB-Setup ausleiten.

Die fünf Vergleichs-Disziplinen

Ein direkter Vergleich der beiden Geräte ist nur in standardisierten Disziplinen sinnvoll. Die folgenden fünf Punkte sind diejenigen, an denen sich die Kaufentscheidung in der Regel entscheidet.

Temperatur-Genauigkeit unter Sonneneinstrahlung: Die Davis mit FARS gewinnt hier unstrittig. Wer Temperaturmessungen für anschlussfähige Vergleiche an DWD- oder MeteoSchweiz-Stationen nutzt, braucht die aktive Belüftung. Die WS-90 mit passivem Schutz produziert im Sommer-Mittag eine systematische Überschätzung von 1 bis 2 K, die durch keine Software-Kalibrierung vollständig korrigiert werden kann.

Wind-Messung: Das Ultraschall-Anemometer der WS-90 ist im Alltag praktisch wartungsfrei und folgt schnellen Böen besser als das Schalenkreuz der Davis. Die Davis hat den Vorteil der höheren mechanischen Robustheit unter Eis und Sturm — die WS-90 reagiert auf starken Eisansatz mit Ausfall der Ultraschall-Messung, bis das Eis abtaut. In moderaten Klimaten ist die WS-90 vorne, im Hochgebirge oder bei häufigem Eisregen die Davis.

Niederschlag: Die klassische Regenwippe der Davis ist der bewährte Maßstab und lässt sich gegen das Hellmann-Pluviometer kalibrieren. Der Tropfen-Sensor der WS-90 ist bei normalem Regen vergleichbar genau, hat aber Schwächen bei Sprühregen und bei Schnee. Wer in einer Region mit relevantem Winter-Niederschlag misst, sollte die Davis mit beheizter Regenwippe (Zusatzkit, etwa 280 EUR) wählen.

Strahlungsschutz und langfristige Stabilität: Hier liegt der größte Unterschied. Der FARS der Davis hält über zehn Jahre die Genauigkeit, der Plastik-Lamellenschutz der WS-90 vergilbt im UV-Licht und verliert nach drei bis vier Jahren an Reflektions-Wirkung. Das ist ein langsamer Drift, der in den Jahres-Mitteln nur Zehntel-Grade ausmacht, in den Tagesextremen aber spürbar wird.

Wartungsaufwand und Lebensdauer: Die Davis ist auf 15 bis 20 Jahre Lebensdauer ausgelegt, mit regelmäßiger Lager-Wartung am Anemometer und Akku-Wechsel an der Konsole. Die WS-90 hat keine offizielle Lebensdauer-Angabe — Erfahrungswerte aus der ersten Generations-Charge sprechen für etwa fünf bis sieben Jahre, mit einem auslaufenden Drift am Plastik-Strahlungsschutz und dem schwer prüfbaren piezoelektrischen Sensor.

Die Selbstbau-Alternative: Raspberry Pi mit BME280

Wer die beiden Marktgeräte aus prinzipiellen Gründen vermeiden will — sei es aus Datenschutz-Gründen, aus Bastler-Lust oder aus dem Wunsch, die Sensorik selbst auszuwählen —, hat 2026 eine sehr ausgereifte Selbstbau-Option. Ein Raspberry Pi 4 oder 5 mit einem BME280-Sensor (kombinierter Druck-, Temperatur- und Feuchtesensor von Bosch Sensortec) kostet als Komplett-Setup unter 100 EUR.

Der BME280 ist messtechnisch erstaunlich. Die Hersteller-Angabe lautet ±1 hPa für den Luftdruck, ±1 K für die Temperatur und ±3 Prozent für die relative Feuchte — und liegt damit in der Genauigkeit nicht weit hinter der Davis. Die Schwäche des BME280 ist die Trägheit und die Eigenerwärmung des Sensors, die in einem schlecht belüfteten Gehäuse zu systematischen Überschätzungen führt. Die Lösung ist konstruktiv: ein selbstgebauter Strahlungsschutz aus gestapelten Untertassen (das berühmte Stevenson-Screen-Hobbyprojekt aus den 1990ern) oder ein aktiv belüftetes Rohr mit Mini-Lüfter.

Der BMP180 ist der ältere Bruder des BME280 ohne Feuchtemessung — gut, wenn nur Druck und Temperatur gefragt sind, mittlerweile aber nicht mehr lieferbar in Neuware. Der DHT22 ist die einfachste Temperatur- und Feuchte-Option für unter 5 EUR, mit einer Genauigkeit von ±0,5 K und ±2 Prozent — für klimatologisch anschlussfähige Messungen aber nicht ausreichend, weil die Drift über die Lebensdauer hoch ist.

Für die Wind- und Niederschlags-Messung im Selbstbau gibt es zwei Wege. Der erste ist der Kauf eines kommerziellen Sensor-Sets — Misol-Anemometer und Regenwippe kosten zusammen etwa 80 EUR und liefern Anschluss-Signale für den Raspberry Pi über GPIO-Pins. Der zweite ist der vollständige Eigenbau, der im Hobby-Bereich aus didaktischen Gründen reizvoll ist, aber im Mess-Vergleich gegen kalibrierte Profi-Geräte regelmäßig zurückfällt.

Die Software-Seite ist 2026 sehr komfortabel: WeeWX, ein in Python geschriebenes Open-Source-Wetterstations-System, läuft auf jedem Raspberry Pi, integriert sich mit nahezu jedem auf dem Markt verfügbaren Sensor und sendet die Daten an Weather Underground, CWOP, Awekas, PWSweather oder eine eigene Webseite. Die Konfiguration verlangt drei bis vier Stunden Einarbeitung — danach läuft das System praktisch wartungsfrei.

Daten-Anbindung und das Open-Data-Ökosystem

Die private Wetterstation ist 2026 selten ein autarkes Gerät. Sie ist ein Sensor-Knoten in einem von mehreren Daten-Netzwerken. Drei Plattformen dominieren.

Weather Underground existiert seit 2000 als die internationale Plattform für private Wetterstationen (PWS — Personal Weather Stations) und betreibt nach eigenen Angaben mehr als 250.000 Stationen weltweit. Die Anbindung von Davis und Ecowitt ist trivial, die Daten erscheinen nach wenigen Minuten in der Karten-Ansicht. Die kostenlose Nutzung ist 2026 weiterhin gesichert, allerdings mit den seit der IBM-Übernahme 2016 schrittweise verschlechterten API-Konditionen.

Awekas (Automatisches Wetterkarten-System) ist das DACH-Pendant mit Sitz in Eichgraben in Niederösterreich, gestartet 2006 von Hobby-Meteorologen, mittlerweile mit mehreren tausend Stationen im deutschsprachigen Raum. Awekas hat den klaren Vorteil der regionalen Konzentration: Die Stationsdichte im DACH-Raum ist deutlich höher als bei Weather Underground, und die Datenqualitäts-Filter sind strenger.

DWD Open Data als die offizielle Plattform ist seit 2017 frei verfügbar unter opendata.dwd.de und liefert die professionellen Mess-Daten der rund 180 DWD-Hauptstationen sowie der über 2.000 Klima-Stationen. Die DWD-Daten sind die Referenz, gegen die jede private Messung sich vergleichen muss — auf dem Server liegen die Stunden- und 10-Minuten-Werte praktisch in Echtzeit.

Markt-Stand 2026 und die Empfehlungs-Frage

Die Empfehlung 2026 ist nicht eindeutig. Sie hängt vom konkreten Vorhaben ab.

Wer eine klimatologisch anschlussfähige Messreihe über zehn oder mehr Jahre aufbauen will, mit dem Ziel, die Daten in eine seriöse Trend-Analyse einbringen zu können (Vergleich gegen die Normwerte 1991–2020 etwa), kommt um die Davis Vantage Pro 2 mit FARS nicht herum. Die Anfangs-Investition von 1.500 EUR rechnet sich über die Lebensdauer und die Datenqualität.

Wer eine Alltags-Beobachtung des eigenen Standorts will, vielleicht mit Anbindung an Weather Underground oder Awekas, ohne den Anspruch auf klimatologische Anschlussfähigkeit, ist mit der Ecowitt WS-90 für ein Fünftel des Preises sehr gut bedient. Die systematischen Schwächen sind bekannt, die WLAN-Anbindung ist deutlich komfortabler als bei Davis, und die Anschaffung schmerzt nicht.

Wer das Bastler-Vorhaben sucht — die eigene Hand an der Sensorik, die volle Kontrolle über die Daten, das didaktische Vergnügen des Selbstbaus —, baut sich aus einem Raspberry Pi, einem BME280, einem Misol-Sensor-Set und WeeWX eine Station, die für unter 200 EUR auskommt und die in der Hand des engagierten Hobbyisten Mess-Daten liefert, die mit der WS-90 konkurrieren können.

Im internationalen Vergleich ist die DACH-Hobby-Station-Szene 2026 sehr lebhaft. Die US-Szene wird stärker von Davis und der zweiten Marke AcuRite dominiert, die japanische Szene von Vaisala-Produkten und einer starken Selbstbau-Tradition. Die ECMWF, der DWD und der MeteoSchweiz nehmen private PWS-Daten zunehmend in ihre Validierungs-Verfahren auf, ohne sie als Primär-Mess-Daten zu klassifizieren — ein Zeichen dafür, dass die Brücke zwischen Hobby- und Profi-Welt schmaler geworden ist, ohne ganz verschwunden zu sein.

Schluss: das Gerät, das passt

Die beiden Säulen des Hobby-Markts sind 2026 nicht die einzigen Optionen. Netatmo bleibt mit der Smart Home Wetterstation in der Lifestyle-Klasse präsent — schöne Konsole, App-Anbindung, mässige Mess-Qualität. Sainlogic FT-0310 bedient die Einstiegs-Klasse unter 80 EUR mit allen typischen Schwächen der Billig-Sensorik. Ecowitt bietet mit der WS-2900 (etwa 150 EUR) und der WS-3900 (etwa 350 EUR mit erweiterten Sensor-Optionen) eine Familie, in die sich die WS-90 als das technologisch fortgeschrittenste Modell einordnet.

Die Frage, die am Anfang steht, ist nicht „welche ist besser?”, sondern: Was will ich messen, wofür will ich die Daten nutzen, wie lange will ich die Reihe pflegen? Die Antwort fällt für jede Beobachterin und jeden Beobachter anders aus. Die Davis-Käuferin und der WS-90-Käufer können beide recht haben — und beide gleichermaßen Anschluss an das wachsende Netz privater Wetterstationen finden, das den DACH-Raum 2026 messtechnisch dichter erfasst, als jede staatliche Infrastruktur das je leisten könnte.


Ressort: Wetterstation